Mein Mann
Die Nachrichten

Mein Mann liebt es Nachrichten zu sehen oder zu hören. Das ist ja im Grunde keine schlechte Sache. Wenn jedoch die Nachrichten kommen, hat alles andere keine Chance.

Wenn wir z.B. am Wochenende gemeinsam mit den Kindern am Mittagstisch sitzen und uns unterhalten, wird jedes Gespräch unterbrochen mit:"Mach mal das Radio lauter. Nachrichten!" Und wehe wir sind dann nicht leise. Dann wird man mit einem lauten:"Ruhig!!!" zur Ordnung gerufen.

Mittlerweile ist es schon so, dass während der Nachrichten - inklusive der Wettervorhersage - ein betretenes Schweigen eintritt. Niemand traut sich mehr zu reden und alle Gespräche sind gestorben. Am voher geführten Gespräch wieder anzuknüpfen ist meist nicht möglich oder recht schwer.

Der Versuch das Radio beim Essen auszulassen nützt auch nichts. Er schaut auf die Uhr und sagt:"Mach mal Radio an," wenn die volle Stunde naht. Man kommt also gar nicht drum herum.

Wenn jemand aus der Familie etwas im Fernsehen sieht hört man schon die schnellen Laufschritte auf der Treppe, wenn mein Mann ins Wohnzimmer eilt. Er schnappt sich die Fernbedienung und schaltet um mit dem Kommentar:"Nur mal kurz die Nachrichten gucken." Da ist es egal was man gerade schaut, die Nachrichten haben Vorrang.

Am vergangenen Sonntag war ich in der Küche mit Kochen beschäftigt. Mein Mann saß im Nebenzimmer am Notebook und war am Pokern. "Kann ich dir mal eine interessante Internetseite zeigen?" frug ich. "Bin am Pokern." kam nur knapp zurück. Als er dann fertig war ging ich zu ihm und wir riefen die neu entdeckte Internetseite auf. Ich hatte gerade zwei, drei Sätze dazu gesagt, da unterbrach er mich mitten im Satz mit den Worten:"Mach mal lauter!"

Mein Mann hat mir also demnach überhaupt nicht zugehört, sonst hätte er nicht mitbekommen das im Nebenzimmer im Radio die Nachrichten begonnen hatten. Mir signalisierte das eindeutig, dass es ihm egal ist was ich ihm erzähle. Ich habe mich ganz schön gekränkt gefühlt. Es ist ja nicht so, dass ich einen Roman erzählt hätte oder sonst eine Labertasche wäre. Aber schon das wenige was wir miteinander reden wird dann auch noch unterbrochen.

Ich habe dann auch nach den Nachrichten nicht weitergeredet und mich wieder an den Kochtopf gestellt. Das war ein wirklich erniedrigendes Gefühl.

Und er spürt das nicht einmal. Manchmal habe ich den Eindruck er ist total unsensibel dafür wann und womit er jemanden verletzt. Vielleicht bin ich ja auch nur überempfindlich. Aber selbst jetzt, wenn ich das schreibe, wühlt es mich wieder auf und ich fühle mich immer noch gekränkt.

Hätte ich ihm sage müssen das sein Verhalten mir wehgetan hat? Das habe ich allerdings in solchen Situationen schon oft getan und es hat nie etwas gebracht. Wenn man immer wieder vor eine Wand läuft gibt man irgendwann auf.

30.11.06 09:52
 

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